Eine Elfenbeinturmpartei ist keine Alternative für Deutschland

WIRTSCHAFT "Die AfD-Professoren hadern mit der AfD"

Deutschland braucht weder eine zweite "Feine-Leute-Partei", die mit einem hohen Spaßfaktor aufwarten kann,  noch eine "Volks-Hochschulpartei", bei der im Wintersemester das Transatlantische Freihandelsabkommen und im Sommersemester die Eurorettung auf dem Vorlesungsplan stehen. Deutschland braucht vor allem eine Partei, deren Vordenker eine Lage beurteilen können und Lösungsvorschläge für  Probleme, die die Menschen bewegen, unterbreiten. Die Interviewbeiträge der fünf Wirtschaftsprofessoren zeigen, dass sie offensichtlich  nicht in der Lage sind, über den Tellerrand des eigenen Fachgebiets hinauszublicken, sondern dass sie gesellschaftspolitische Probleme nahezu ausschließlich unter dem Blickwinkel des eigenen Fachgebietes betrachten. Mit dieser sehr einseitigen Vorgehensweise wird man die Menschen nicht erreichen, denn die wahren Probleme bleiben wie bisher unberücksichtigt.  Besonders die Nichtwähler werden so sicher nicht an die Wahlurnen zurückkehren. Die sogenannten Führungseliten haben in ihrem Elfenbeinturm ihre eigene Kommunikationsform entwickelt, die einerseits darauf abzielt, das eigene Netzwerk zu stärken, andererseits aber Andersdenke fernzuhalten. Warum sollte jemand eine Partei wählen, die Berührungsängste mit dem Wahlvolk außerhalb ihrer Klientel hat? Die Zielsetzung  des FAZ-Beitrages ist sehr durchsichtig, die Sichtweise der Dinge stark eingeengt und das Gesamtergebnis reicht nicht aus, um ein Oberseminar zu bestehen. 

Prof. Dr. rer. nat. habil. Harald G. Dill, Hannover

 

Bezug.: FAZ Sonntagsausgabe 7.6.2015