Der Gastkommentar
Nichts als Selbstdarsteller

Die germanische Völkerwanderung dauerte von der Mitte des vierten Jahrhunderts bis gegen Ende des sechsten Jahrhunderts. Mehrere Zehntausend Germanen zogen nach Süden. Am Ende lag das marode weströmische Reich in Trümmern.

Von Professor Dr. Harald Dill

Die germanische Völkerwanderung dauerte von der Mitte des vierten Jahrhunderts bis gegen Ende des sechsten Jahrhunderts. Mehrere Zehntausend Germanen zogen nach Süden. Am Ende lag das marode weströmische Reich in Trümmern. Im Jahr 2015 erwartet man eine Völkerwanderung von 800 000 Personen nach Deutschland. Laut Migrations-Bundesamt kann man von einer Anerkennungsrate von zwei Prozent gemäß Artikel 16a des Grundgesetzes ausgehen. Die Abschiebung (§ 34 AsylVfG) nicht anerkannter Personen wird nicht oder nur ungern vollzogen, sondern als bürokratischer Willkür- oder Gewaltakt gesehen.

Unseren sogenannten Führungseliten fehlt es dazu an Mut. Sie stricken unverdrossen an dem pseudomoralischen Gespinst der Willkommenskultur und haben die Beliebtheitsskala für Politiker fest im Blick. Die Landeskirchen unterstützen sie dabei. Sie bauen mit dem Kirchenasyl ein Parallelrecht auf, propagieren Nächstenliebe für die Menschen an Euphrat und Tigris und übersehen dabei den Allernächsten an Mulde und Elbe.

"Second-hand-celebreties" produzieren sich in Talkshows als moralische Aktionskünstler. Sie sollten auf diese billigen "publicity stunts" verzichten und dem Beispiel von Karlheinz Böhm in Äthiopien folgen. Jeder, vom Bäcker bis zum Geologen, kann vor Ort Hilfe zur Selbsthilfe leisten und am Aufbau eines allumfassenden "fair trade" mitwirken. Nötig ist vor allem rationales Handeln. Wie können mittellose Flüchtlinge Schleppern Unsummen für Passagen bezahlen? Warum nehmen die reichen Ölstaaten der Arabischen Halbinsel ihre Glaubensbrüder nicht auf?

In den Abwanderungsländern arrangieren sich Neokolonialisten mit den Machthabern und verschärfen die Lage. Je größer die kulturellen und religiösen Gemeinsamkeiten sind, desto mehr Menschen kann ein Gastland permanent oder temporär aufnehmen. Wird das Löslichkeitsprodukt überschritten, bildet sich ein Bodensatz, und es entstehen Parallelgesellschaften mit rechtsfreien Räumen. Wer die Ergebnisse hautnah erleben will, braucht nicht nach Bogota zu fliegen (Ciudad Bolivar), sondern es genügt ein Bahnticket ins Ruhrgebiet, nach Duisburg-Marxloh.

Unsere Regierenden, ohne Weitblick und frei von Sachkenntnis, leben quasi in einem mentalen Führungsbunker, den sie nur in Begleitung ihrer medialen Leibwächter verlassen, wenn es der Profilierung dient. Mit nichtssagenden und zum Teil diskriminierenden Äußerungen auf Kosten besorgter Bürger unseres Staates versuchen sie, sich in Szene zu setzen. Sie sind "eine Schande für Deutschland" (Maas, 2014). Recht hat er.

Zur Person

Professor Dr. Harald Dill stammt aus Marlesreuth im Kreis Hof. Er ist Geowissenschaftler. Durch seine Reisen und Expeditionen sind ihm die Probleme in den Entwicklungsländern vertraut. Er verfasste seinen Beitrag nach der Rückkehr von seiner letzten Südamerika-Reise Ende August.

FRANKENPOST 4. September 2015