Prof. Dr. von und zu Bayreuth

Sehr geehrter Herr Minister Dr. Heubisch,

am  09.04.2011 habe ich mich an Sie gewandt mit der Bitte um Klärung wissenschaftlichen Fehlverhaltens an der Universität Bayreuth (UBT). In meinem Schreiben bezog ich mich auf einen Artikel im Nordbayerischen Kurier vom 31.3.2011, wo dieses Fehlverhalten dokumentiert  wurde. Ich erwartete als Reaktion auf dieses Fehlverhalten damals lediglich eine Entschuldigung aus dem Bereich der Professorenschaft. Nachdem Sie am  23.2.2011 auf ein Schreiben von 70 Münchner Professoren, die ihr Missfallen über das Plagiat von Herrn zu Guttenberg äußerten, rasch und unmissverständlich  reagierten,  erwartete ich auch bei meinem Anliegen ein solches Verhalten. Umso verwunderter war ich jedoch über die von Ihrem Ministerium gezeigte Reaktion.  Da nicht ein Lernender, sondern ein Lehrender der UBT wegen Nepotismus/Klientelismus, Plagiat und Nötigung in den Fokus geriet, fiel Ihr Ministerium gewissermaßen  in eine Art Schockstarre und die UBT gleich mit; denn es geschah nichts.  Auf meine wiederholten Anfragen (18.6.2011, 1.8.2011) selbst unter Einschaltung der Bayerischen Staatskanzlei (20.11.2011),  habe ich bis heute von Ihnen keine sachdienlichen Hinweise erhalten. Es wurde lediglich auf die  Weiterleitung meines Klärungsersuchens  an die UBT verwiesen. Ich halte die UBT jedoch für ungeeignet, diese Klage  in eigener Regie zu bearbeiten. Die UBT hatte bereits früher den Datenklau negiert und damit eine Parteinahme für das  ehemalige Mitglied des Lehrkörpers der UBT ergriffen. Sie  machte sich damit selbst zur Beklagten.  Am 2.9.2011 erreichte mich dann doch eine E-Mail des  für die Selbstkontrolle in der Wissenschaft an der UBT zuständigen Professors. Nach einem halben Jahr fühlte sich die  UBT endlich bemüßigt, sich mit der Sache zu befassen.  Man fragte bei mir an, ob ich ein förmliches Verfahren vor der Kommission für Selbstkontrolle in der Wissenschaft anstrebe, das der Ombudsmann beantragen müsste,  und   wies mich gleichzeitig auch auf „ungewöhnliche, nichtkollegiale oder wenig mitarbeiterfreundliche Vorfälle“  hin, die auch an anderen Universitäten vorkommen.  Ich hatte mein Anliegen präzise formuliert. Danach trat erneut Funkstille ein.  Diese  Vorgehensweise erweckt bei mir den Eindruck, dass man dieses Problem durch Schweigen, Aussitzen und Totschleppen zu lösen sucht. Gleichzeitig inszeniert sich die UBT in einer Tagung als Gralshüterin in Sachen Ethos der Wissenschaften unter dem  Motto "Plagiate, Wissenschaftsethik und Geistiges Eigentum" (25./26.11.2011). Weder die Gegenwart, noch die Vergangenheit  der UBT sprechen m.E. für eine derartige Präsentation .  Nach meiner Promotion begab ich mich an die UBT, weil ich heimatnah geowissenschaftlich tätig werden wollte. Dieses Vorhaben ließ sich nicht realisieren. Während eines Vieraugengesprächs stellte ich dem Lehrstuhlinhaber an der UBT eine Frage: „Warum haben Sie mir Ihre dritte, noch vakante Assistentenstelle nicht gegeben ?  Ich habe bereits den Doktortitel, Herr S. ist jedoch noch nicht promoviert (Anmerk.: Herr S. war der Sohn eines Lehrstuhlinhabers  an der UBT)“. Seine Antwort kam postwendend. Sie  bestand lediglich aus fünf Wörtern: „Ihr Vater ist kein Professor“. Er fügte dann sinngemäß hinzu, wenn er Herrn S. die Stelle gebe, dann stehe ihm der gesamte Lehrstuhl des Vaters auch zur Verfügung. Das könne ich ihm nicht bieten. Was war an diesem Verhalten damals ethisch?  Besucht man die, für diesen Fall relevanten Internet-Seiten, dann kann man feststellen , dass Nepotismus und Klientelismus auch heute noch in der Universität nachweisbar sind. 1979  legte die UBT auf die Herkunft mehr Gewicht als auf Leistung.  2011 legte m.E. die UBT auch  bei Herrn  zu Guttenberg mehr Gewicht auf dessen Herkunft und  Ansehen als auf  seine Leistung. 

Die UBT hat in Sachen Wissenschaftsethik in 30 Jahren nichts dazugelernt.

 

Mit vorzüglicher Hochachtung

Harald G. Dill

-offener Brief-