Ein Beitrag zum Volkstrauertag

 

 

Ausstellung  „Unterm Hakenkreuz – NS-Zwangsarbeit in unserer Region“

 

 

Sehr  geehrter Herr Landrat Reisinger,

 

ich habe eine Einladung für die oben genannte Ausstellung vom Landratsamt Amberg-Sulzbach-Rosenberg erhalten, wofür ich mich recht herzlich bedanken möchte. Das Bergbau- und Industriemuseum Theuern eignet sich sicherlich sehr gut auch für Vorträge und Ausstellungen außerhalb der Fachgebiete Geowissenschaften und Bergbau. Ich habe selbst einige Vorträge dort zu Themen der Geologie der Oberpfalz und des Bergbaus gehalten.

 

Veranstaltungen, welchen Inhaltes sie auch immer sein mögen, müssen jedoch auf eine seriöse Information abzielen und nicht nur die Gefühle der Betrachter ansprechen wollen, wie dies in dem Flyer deutlich wird und in der Ausstellung zu erwarten  ist.

 

Wenn auf der Front-Seite von „NS-Zwangsarbeit in unserer Region“ die Rede ist und eine Abbildung aus dem osteuropäischen Schwarzerdegürtel herangezogen wird, wo drei Uniformierte auf gebückte landwirtschaftliche  Arbeiterinnen herabblicken, dann ist dies nicht Ausdruck von Ernsthaftigkeit. Die Szene kann schwerlich zur Charakterisierung der damaligen Zustände zwischen Eslarn  und Neumarkt  i. d. Opf. herangezogen werden.

 

Nichtssagende Äußerungen von vier Schülern, die „dachten ein gutes Allgemeinwissen zu haben“ lassen das Niveau dieser Veranstaltung erahnen und deuten auf eine fehlende Einordnung dieser Thematik in das Gesamtgeschehen des 2. Weltkriegs hin.

 

Zwei Fotos zeigen polnische Staatsangehörige auf dem Feld und bei der Essensausgabe. In dieser Zeit waren Fremdarbeiter, Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und Häftlinge aus Konzentrationslagern im Außeneinsatz tätig. Auf diese Differenzierung wird an keiner Stelle eingegangen. Dagegen wird von 13 Millionen Zwangsarbeitern im damaligen Deutschland, die „auch im Herzen der Oberpfalz“ „geschuftet haben“, geredet. Nicht jedem Bauern oder Handwerker  in der Oberpfalz, der damals einen ausländischen Arbeiter in seinem Betrieb beschäftigte,  ist ein Fehlverhalten anzulasten. Die Äußerungen der vier Zeitzeugen stehen im Raum („audiatur et altera pars“ = auch die andere Seite muss gehört werden). Die Oberpfalz von damals wird durch ein solches Wort- und Bildkonstrukt zu einer Region von Sklaventreibern hochstilisiert. Wir sprechen hier nicht über die Angehörigen der Wachmannschaften im KZ Flossenbürg, sondern über die Bewohner der Oberpfalz, deren Väter, Brüder und männliche Verwandte an der Front standen und die im Verlauf des Krieges,  z. T auch zu einer „Opfergemeinschaft“ wurden; denn Bomben und Granaten unterscheiden nicht mehr zwischen Freund und Feind, wenn man den Abzug betätigt hat.

 

Ein Schwerpunkt ist Friedrich Flick. Man stellt den „Kriegsverbrecher“ dem „Bundesverdienstkreuzträger“ gegenüber. Man erwähnt dann die „10000 Zwangsarbeiter, die in Sklavenarbeit seinen Reichtum“ förderten, man geht jedoch nicht darauf ein, wofür er das Bundesverdienstkreuz bekam. Eine objektive Vorgehensweise, die wissenschaftlichen Kriterien standhält, sieht anders aus. Die stakkatoartige Aneinanderreihung von polemisierenden Begriffen ohne innere Kohärenz erzielt natürlich Aufmerksamkeit, besonders dann, wenn die fragliche Person namengebend für Straßen und Einrichtungen in der Region ist.

 

Eine wissenschaftliche Herangehensweise versucht immer, den Tathergang aus verschiedenen Blickwinkeln und eingebettet in das gesellschaftliche Umfeld zu betrachten. Der Forscher kommt nach einer eingehenden Analyse zu einem Urteil. Hier jedoch sind grundsätzliche Fragen dieses Themenkomplexes, wie etwa die, wie viele Zwangsarbeiter damals überhaupt an welchen Stellen in der Region Oberpfalz eingesetzt waren, noch gar nicht geklärt worden. Eine Ausstellung, die dieses hochsensible Thema zum Inhalt hat, sollte auf sehr präzisen Daten basieren.

Wenn es um die Elterngeneration geht, kann man auch eine andere Herangehensweise wählen.

 

Ich hoffe sehr, dass die Bildungseinrichtung in Theuern, die ich bisher sehr zu schätzen wusste, in Zukunft zu ihrem gewohnten Niveau zurückfindet.

 

Mit freundlichen Grüßen

Harald G. Dill

 

Hannover, 25.08.2013